Einen Sicherheitsdienst hält über Jahrzehnte am Markt, was sich nicht kopieren lässt: eine Kultur, in der Kunden und Mitarbeiter bleiben wollen, klare Spezialisierung statt „wir machen alles”, und Konstanz – dieselben Gesichter beim Kunden, Jahr für Jahr. Preis und Featurelisten gewinnen Aufträge; Beziehungen halten sie.
Die Tellkamp Sicherheitsdienst GmbH aus Lengerich gibt es seit über 33 Jahren – gegründet 1993, heute in zweiter Generation geführt, die dritte ist unterwegs. In Folge 4 von Mundtschutz habe ich mit Inhaber Jason Flottmann darüber gesprochen, was diesen Betrieb trägt. Vier Lektionen sind hängengeblieben.
1. Kultur ist Positionierung
Tellkamp lebt und verkauft das Familiäre – bewusst als Gegenentwurf zum Klischee:
„Wir haben keine Lust auf zwei Meter im Quadrat und nur böse grimmig gucken. Sind wir nicht, wollen wir nicht. […] Wie man begrüßt wird, so verläuft doch der Abend.”
Das ist keine Weichheit, sondern Marktlektüre: Veranstalter fragen zunehmend deeskalierendes, nahbares Personal nach – auf Schützenfesten, Landjugendfeten und Reitsport-Großevents wie Horses and Dreams erwartet niemand den Club-Türsteher. Neukunden kommen laut Jason genau deshalb: „weil die dieses typische Security-Klischee nicht mehr haben möchten.”
2. Spezialisieren statt verzetteln
Tellkamp macht Revierdienst an 365 Tagen („das Geschäft, wovon alles lebt”), Veranstaltungen als „Wochenend-Vergnügen” – und hat sich eine bemerkenswerte Nische erarbeitet: Sprengstoffbewachung bei Abbruchsprengungen, bundesweit, vom Ruhrgebiets-Hochhaus bis zur Windkraftanlage. Nach eigenem Stand sind sie damit die Einzigen bundesweit. Zugleich lehnt Jason bewusst ab, was nicht passt – Werttransport, Watchtower-Geschäft, NSL:
„Irgendwo muss man die Kirche im Dorf lassen. Wir machen das, was wir gut können.”
Wer alles anbietet, konkurriert überall über den Preis. Wer etwas Besonderes kann, wird gesucht.
3. Die Krise zeigt, was Beziehungen wert sind
Auch das gehört zur Ehrlichkeit der Folge: Nach über dreißig Jahren traf den Betrieb eine Insolvenz – ausgelöst durch Außenstände, nicht durch das eigene Geschäft. Was dann geschah, ist die vielleicht stärkste Passage des Gesprächs:
„Wir haben jeden Kunden angerufen und in Kenntnis gesetzt. Und jeder einzelne – ob seit drei Jahren dabei oder seit dreißig – hat gesagt: Ist mir ganz egal, Hauptsache ihr kommt.”
Kein Mitarbeiter ging, kein Kunde ging, keine Lohnausfälle. Für die Kunden war der Einschnitt am Ende kaum spürbar: „Irgendwann sah der Briefkopf ein bisschen anders aus, das war’s.” Solche Loyalität entsteht nicht in der Krise – sie wird davor verdient.
4. Personal bindet man über Kultur, nicht nur über Geld
Beim Branchenthema Nummer eins ist Jason realistisch: Die Ansprüche an Wachpersonal sind massiv gestiegen, die Bezahlung hat nicht überall Schritt gehalten – „es gibt Jobs mit viel Verantwortung, wo die Mitarbeiter verdient hätten, zwei, drei Euro mehr die Stunde zu kriegen.” Bewerbungen gibt es genug; passende Menschen sind rar. Seine Antwort:
„Da kannst du einfach nur mit Sympathie beim Mitarbeiter, mit Freundlichkeit, mit familiärem Umgehen punkten – nur so kannst du den Mitarbeiter halten.”
Fazit
33 Jahre Marktpräsenz sind kein Zufall und kein Preiskampf-Ergebnis. Sie entstehen aus einer klaren Identität (familiär statt grimmig), mutiger Spezialisierung, ehrlicher Kommunikation in der Krise – und aus Konstanz, die Kunden jedes Jahr an denselben Gesichtern erkennen. Software und Prozesse unterstützen das; ersetzen können sie es nicht.
Das ganze Gespräch mit Jason Flottmann gibt es in Folge 4 von Mundtschutz.