Blog · 23. Juli 2026

KI im Sicherheitsdienst: Was sich ändert – und was den Menschen bleibt

KI verändert den Sicherheitsdienst an zwei Stellen: draußen am Objekt (Zugangskontrolle, Drohnen, Bodycams – getrieben durch steigende Auflagen und Kundenwünsche) und drinnen in der Verwaltung, wo Dienstplanung und Personalverwaltung zunehmend automatisiert werden. Was KI nicht ersetzt: die Menschenkenntnis der Disposition – zu wissen, welcher Mitarbeiter zu welchem Objekt und welchem Kunden passt.

In Folge 2 von Mundtschutz habe ich mit Ruslan Gagiev und Chris Lemmen von PROFISEC darüber gesprochen, wie ein mittelständischer Sicherheitsdienst auf das Thema KI blickt – ohne Hype, aus dem Tagesgeschäft heraus.

Die Branche verändert sich – die Arbeit wird nicht weniger

Chris bringt die Lage auf den Punkt: Sicherheit als solche wird immer gebraucht, aber die Anforderungen wandeln sich. Citystreifen gab es vor 15 Jahren kaum, heute sind sie Alltag; die Auflagen für Veranstalter sind nach den Vorfällen der letzten Jahre deutlich gestiegen – bis hin zu Straßensperren als Standardanforderung.

„Es verändert sich, aber es wird nicht weniger Arbeit werden. Die Technik wird Einzug halten. Insofern musst du dich als Unternehmen so aufstellen, dass du gewissen Anforderungen oder auch Kundenwünschen gerecht werden kannst – ob das Bodycams sind, das Thema Drohnen oder modernste KI-Technik bei Zugangskontrollen.” (Chris Lemmen, PROFISEC)

Sein Rezept: am Zahn der Zeit bleiben – Messen (die Security Essen stand im Gespräch bei allen am Kalender), Seminare, Weiterbildung für das eigene Personal.

KI in der Dienstplanung: „Leg mir den Mitarbeiter an – von unterwegs”

Auch in der Verwaltung wird KI konkret. Im Gespräch ging es um die Idee, eine Dienstplan-Software per Zuruf zu steuern – etwa: „Leg mir sechs neue Mitarbeiter an” oder „Weise die sieben Mitarbeiter dem Kunden zu”. Chris’ Reaktion:

„Wenn ich der KI dann irgendwann nur noch sage: Pass auf, leg mir den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin bitte an – ohne dass ich selber tippen muss, von unterwegs sogar aus? Bombe.”

Zwei Dinge gehören aber zur ehrlichen Einordnung, und beide kamen im Gespräch klar auf den Tisch:

  1. Datenschutz zuerst. Wer Chat-KIs mit Personaldaten arbeiten lässt, gibt diese Daten unter Umständen über Umwege auf Server außerhalb der EU. Das lässt sich vertraglich und technisch absichern – aber es muss vor der Einführung geklärt sein, nicht danach. Und es braucht das Einverständnis der Mitarbeiter.
  2. Nützlichkeit vor Machbarkeit. Technisch bauen lässt sich vieles. Die Frage ist, was ein Betrieb wirklich braucht – bei PROFISEC stehen vor der KI-Fernsteuerung noch handfestere Wünsche auf der Liste, etwa Planungshinweise bei Doppel-Einteilungen und Ruhezeiten.

Was den Menschen bleibt

Der stärkste Moment des Gesprächs kam von Ruslan – auf die Frage, ob KI die Disposition ersetzen kann:

„Wir kennen jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin bei uns und wissen, wen wir wo einteilen können. Menschenkenntnisse sind im Sicherheitsdienst sehr, sehr wichtig – damit die Person nicht unterfordert und nicht überfordert wird, damit ihr der Job Spaß macht.”

Qualifikationen, Eignung und Verfügbarkeit kann eine Software speichern und filtern – das soll sie auch. Aber die Einschätzung, welcher Mensch zu welchem Objekt, welchem Kunden und welcher Situation passt, bleibt eine Führungsaufgabe. Oder wie es am Ende der Folge stand:

„Wir können Software und KI dransetzen – aber am Ende steht ein Mensch beim Kunden und sorgt für Sicherheit.”

Fazit

KI im Sicherheitsdienst ist kein Entweder-oder: Draußen hilft sie, steigende Auflagen zu erfüllen; drinnen nimmt sie der Disposition Tipparbeit ab. Wer sie einführt, sollte Datenschutz und Mitarbeiter-Einverständnis vor die Technik stellen – und darf eines nicht verwechseln: Automatisierung ersetzt Verwaltungsaufwand, nicht Menschenkenntnis.

Das ganze Gespräch gibt es in Folge 2 von Mundtschutz.

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